Chinesisch - das lern' ich nie ...
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Das Klischee vom unerlernbaren Chinesisch
Die chinesische Sprache hat das Image, sehr schwer zu sein - schließlich plagen sich Sinologen mehrere Jahre im Studium damit herum, ohne am Ende notwendigerweise fließend parlieren zu können. Dies sagt allerdings mehr über die Schwerpunktsetzung an einigen sinologischen Instituten aus, als über die Schwierigkeit der Sprache an sich.
Das Gegenteil ist richtig
Etwas überspitzt formuliert: Chinesisch ist eine der leichtesten Sprachen der Welt - einige vergleichende Sprachwissenschaftler behaupten dies nicht ganz zu unrecht. Konkret: Das Chinesische kennt kein Geschlecht (der, die, das), keine Deklinationen (das Buch, des Buches, ..., die Bücher), keine Konjugationen (ich lese, du liest, ...sie lesen) und im Prinzip auch keine Zeiten (lesen, las, gelesen). Übersetzt man chinesische Sätze wörtlich ins Deutsche, fühlt man sich unwillkürlich an Kindersprache erinnert.
| Deutscher Satz: |
Wörtliche Übertragung des chinesischen Satzes: |
| Ich lese ein Buch |
Ich / lesen / Buch |
| Ich habe gestern ein Buch gelesen |
Ich / gestern / lesen / Buch |
| Wir werden morgen zwei Bücher kaufen |
Wir / morgen / kaufen / zwei / Stück / Buch |
Der Begriff "Kindersprache" ist hierbei allerdings keineswegs abwertend gemeint. Die chinesische Sprache ist vielmehr sehr effizient und es fehlt ihr ganz sicher nicht an Möglichkeiten zur differenzierten Ausdrucksweise. Die Beispiele sollen lediglich veranschaulichen, dass sich die Grundstrukturen der Sprache schnell erlernen lassen.
Musiker sind im Vorteil
Für Europäer ungewohnt ist es allerdings, dass das Chinesische auf einer festen Anzahl von Silben und nicht auf einem Alphabet basiert und die einzelnen Silben jeweils in unterschiedlichen Tonlagen gesprochen werden können, womit gleichzeitig völlig unterschiedliche Bedeutungen verbunden sind. Das Erlernen der korrekten Aussprache einschließlich der sog. "Töne" ist sehr wichtig, um sich später im Kontakt mit Chinesen tatsächlich verständlich machen zu können.
Ein erstes Fazit
Ausgestattet mit einer guten Aussprache, einer relativ einfachen Grundgrammatik und einem Basiswortschatz lassen sich bereits viele Alltagssituation auf Chinesisch bewältigen. Gemeint ist die Fähigkeit, Chinesen zu verstehen und umgekehrt einfache Inhalte auf Chinesisch formulieren zu können.
Schwierigkeit chinesische Schrift
Die chinesische Sprache besteht selbstverständlich nicht nur aus Hören und Sprechen, sondern auch noch aus Lesen und Schreiben. Bei den letzteren beiden kommen die chinesischen Schriftzeichen ins Spiel, die die eigentliche Schwierigkeit beim Erlernen der Sprache darstellen. Nicht umsonst hat China eine hohe Analphabetenrate und müssen chinesische Schüler bis in die weiterführenden Schulen hinein chinesische Schriftzeichen pauken. Eine Kennzahl aus der Praxis: Ca. 50% der Studenten, die an einer deutschen Universität das Sinologiestudium mit intensivem Sprachunterricht aufnehmen, springen nach einem Semester ab. Viele von ihnen haben sich wahrscheinlich sogar auf das Studieren der "schönen Zeichen" gefreut, mußten dann jedoch feststellen, dass das Erlernen der Schriftzeichen nur mit viel Fleiß und Durchhaltevermögen gelingt. Dies sollte niemanden von der Beschäftigung mit den Zeichen abhalten, der eine Neigung hierfür verspürt. Ohne Zweifel stellt die Kenntnis der Schrift einen zentralen Schlüssel zum Verständnis der chinesischen Kultur dar. Es soll an dieser Stelle aber klargestellt werden, dass für viele, z.B. China-Entsandte deutscher Firmen und ihre Lebenspartner oder interessierte Chinatouristen, zunächst einmal die alltägliche Verständigung mit Chinesen im Vordergrund steht und hierfür die Beschäftigung mit der chinesischen Schrift verzichtbar ist.